Nachfolge
5.10.2026

Abbruch ist kein Versagen!

Warum Umkehren manchmal die richtige Richtung ist

Über zwei Jahre lang habe ich einen Kunden begleitet, der bereits seit vielen Jahren in einem erfolgreichen Unternehmen in der Geschäftsleitung sitzt und nun aktiv den Schritt zu einem Management Buy-out wagen wollte. Wir haben die Unternehmung durchleuchtet, viele Gespräche geführt, zahlreiche Berechnungen angestellt, Szenarien ausgemalt und Verhandlungen geführt. Am Schluss lagen Unternehmensbewertung, Preisvorstellungen und Verträge vor und es fehlte nur noch das „Go“ zum Abschluss – das sogenannte Signing und Closing.

Im letzten Gespräch haben wir nochmals die Helikopterperspektive eingenommen und der Kunde hat sich nochmals gefragt: „Stimmt das eigentlich mit meinen Werten, meinen Wünschen und Zielen überein?“, „Will ich überhaupt Chef sein und mich mit Personalthemen auseinandersetzen?“, „Macht mich der Gedanke glücklich, mich mit Strategie, Vision, ständigen Veränderungen und der Verantwortung zu beschäftigen?“ und auch: „Kann ich mit der Verschuldung und dem damit verbundenen Druck umgehen?“.

Während dieses Gesprächs wurde klar, dass er eigentlich gar nicht wollte. Aber da wir mittlerweile bereits schon so lange dran waren, hatte er das Gefühl, durchziehen zu müssen. Man nennt das Sunk Cost Fallacy: „Jetzt habe ich schon so viel investiert …“ Zeit, Geld, Energie oder Reputation werden zum Grund, weiterzumachen. Dabei sollte die entscheidende Frage lauten: Würde ich mich heute nochmals dafür entscheiden?

Wir haben all das beleuchtet und mein Kunde kam schlussendlich zum Entscheid, abzusagen. Mich hat das wahnsinnig beeindruckt, denn er hat sich für „sich“ entschieden, für sein Leben, seine Familie, seine Werte und hat sich nicht dem Ego ergeben, dem Ehrgeiz und Anreizen wie Geld und Ansehen.

Deshalb: Manchmal kann Umkehren der richtige Weg sein und nicht blindes Durchziehen. Das braucht oft sogar mehr Mut und Persönlichkeit.

In dem Sinne wünsche ich dir gute Reflexion, viel Geduld und Wohlwollen dir selbst gegenüber und die nötige Stille für gute Entscheidungen.

Herzlich, Tom

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